ETH – Lint Barrage

25. März 2026  ·  Campus-News

Welche wirtschaftlichen Folgen hat der Klimawandel?

Der Klimawandel trifft nicht nur die Umwelt. Die Ökonomin Lint Barrage untersucht, wie er die die Weltwirtschaft beeinflusst – und zeigt, dass die ökonomischen Risiken heute schon sichtbar sind.

Fast alles, was wir tun, produzieren oder konsumieren, wird durch das Wetter oder das Klima beeinflusst. Trotz unterschiedlicher Methoden und Annahmen, wie wir in Zukunft leben werden, ergeben Modelle wie das DICE-Modell, an dem ich mitarbeite, ein konsistentes Bild.

Wenn wir auf dem aktuellen Kurs des Klimaschutzes bleiben, deuten die Projektionen auf ein Risiko erheblicher wirtschaftlicher Verluste bis Ende des Jahrhunderts hin. Im Durchschnitt schätzen wir diese auf fünf Prozentpunkte der globalen Wirtschaftsleistung pro Jahr. Zum Vergleich: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie führten zu einem globalen Einbruch von rund drei Prozentpunkten. Der Klimawandel könnte einen solchen Verlust Jahr für Jahr wiederholen und summieren.

Der Durchschnittswert von fünf Prozent verschleiert jedoch die dramatische Ungleichheit. Während einige Regionen und Sektoren auch Vorteile erwarten können – beispielsweise Ersparnisse bei den Heizkosten in der Schweiz –, stehen andere vor existenziellen Krisen. In Teilen Afrikas könnte die landwirtschaftliche Produktivität je nach Szenario um 40 Prozent oder mehr sinken. In Ländern, in denen ein Grossteil der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebt, bedeutet das nicht nur einen ökonomischen Schaden. Es wäre eine humanitäre Katastrophe.

In den Standardmodellen sind viele Folgen des Klimawandels noch nicht enthalten, zum Beispiel im Gesundheitswesen. Standardmodelle berücksichtigen meist nur temperaturbedingte Übersterblichkeit, ignorieren aber die Auswirkungen des Klimawandels auf die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Neue Studien zeigen jedoch, dass diese Effekte erheblich sind und somit auch das öffentliche Finanzwesen belasten können.

Ein weiteres bedeutendes Beispiel sind Waldbrände und deren Rauch, der gesundheitliche und wirtschaftliche Kosten verursachen kann – von erhöhter Sterblichkeit bis hin zu Produktivitätsverlusten. Steigende Temperaturen können diese Risiken erhöhen.

Die Finanzmärkte reagieren bereits auf diese Prognosen, indem sie etwa für Kommunalanleihen mit steigendem Waldbrandrisiko höhere Zinssätze verlangen. Dennoch tauchen diese Risiken in den meisten Modellen nicht auf. Die tatsächlichen Kosten des Klimawandels könnten somit erheblich unterschätzt sein.

Oft höre ich, die Schweiz sei aus ökonomischer Sicht vergleichsweise sicher. Doch auch die Schweiz ist tief in globale Lieferketten und Finanzmärkte eingebettet. Wenn in Australien Kohleminen überflutet werden oder in Afrika die Kakaoernte schlecht ausfällt, steigen die Preise überall und die Märkte geraten unter Druck. Zudem investieren Schweizer Unternehmen und Haushalte auch global in Vermögenswerte, die Klimarisiken ausgesetzt sind. Wir müssen daher die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels weltweit verstehen, um die damit verbundenen Risiken – und die Rolle der Schweiz bei ihrer Bewältigung – hierzulande zu managen.

Was also tun? Ein wichtiger Hebel ist Information. Die Menschen sind oft nicht ausreichend über Klimarisiken informiert. In Rhode Island (USA) stellten wir beispielsweise fest, dass 70 Prozent der Küstenbewohner ihr Überflutungsrisiko unterschätzten. Diese Fehleinschätzung führt zu Fehlanreizen: Die Immobilienpreise bleiben hoch, es wird weitergebaut und die Menschen sind den Risiken noch stärker ausgeliefert. Information ist kein Ersatz für Klimaschutz, aber eine Voraussetzung für eine kluge Anpassung.

Schliesslich sollten wir den Klimawandel nicht als Entweder-oder-Szenario denken – entweder wir stoppen ihn sofort oder wir scheitern. Solches Denken kann pragmatische Schritte in die richtige Richtung erschweren. Und jeder Schritt zur Minderung bringt einen wirtschaftlichen Wert durch vermiedene Klimaschäden.

Natürlich können solche Schritte auch mit Kosten verbunden sein, zum Beispiel im Energiesystem, das ähnlich wie das Klima alle Teile der Wirtschaft berührt. Eine mehrheitsfähige und sozial gerechte Klimapolitik muss beide Seiten dieser Münze anerkennen. Entscheidend ist, dass wir mit offenen Augen in die Zukunft gehen und jeden Tag bessere Entscheidungen treffen – als Individuen, als Unternehmen, als Staaten und als Gesellschaft.

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